Der Spread erklärt: die Gebühr, die im Kurs versteckt ist
- Autor
- Niko Jung
- Veröffentlicht
- 1. Juli 2026
- Kategorie
- Finanz

Zwischen Kauf- und Verkaufskurs liegt immer eine Lücke. Sie ist der Ertrag des Anbieters und die einzige Gebühr, die man beim Einstieg schon bezahlt hat.
Wer eine Position eröffnet, sieht sie in der Regel sofort leicht im Minus, obwohl sich am Markt nichts bewegt hat. Das ist kein Fehler der Anzeige, sondern der Spread. Er ist bei vielen Anbietern die wichtigste Einnahmequelle und die einzige Kostenposition, die schon bezahlt ist, bevor irgendetwas passiert.
Zwei Kurse, nicht einer
Für jedes handelbare Instrument gibt es zwei Kurse: den Preis, zu dem gekauft werden kann, und den, zu dem verkauft werden kann. Der Kaufkurs liegt immer über dem Verkaufskurs. Die Differenz ist der Spread.
Kauft jemand zum höheren und würde sofort zum niedrigeren verkaufen, bleibt genau diese Differenz beim Anbieter. Deshalb steht eine frisch eröffnete Position um den Spread im Minus. Sie muss diesen Betrag erst aufholen, bevor überhaupt ein Gewinn beginnt.
Wie sich das in Geld übersetzt
Bei Währungspaaren wird der Spread in Pips angegeben. Ein Pip ist bei EUR/USD die vierte Dezimalstelle. Bei einer Position über 10.000 Euro entspricht ein Pip etwa einem Euro. Ein Spread von 1,0 Pip kostet demnach rund einen Euro pro Ein- und Ausstieg.
Bei Aktien wird der Spread meist nicht in Pips, sondern direkt im Kurs sichtbar. Eine Aktie, die bei 50,02 zu kaufen und bei 49,98 zu verkaufen ist, hat einen Spread von vier Cent, also 0,08 Prozent. Bei einer Order über 5.000 Euro sind das vier Euro, was in der Größenordnung einer üblichen Ordergebühr liegt und deshalb auch so behandelt werden sollte.
Wann er teuer wird
Drei Situationen weiten den Spread zuverlässig.
Erstens Randzeiten. Außerhalb der Haupthandelszeiten sind weniger Marktteilnehmer aktiv, und die Lücke wächst. Wer eine deutsche Aktie um 22 Uhr über eine Auslandsplattform handelt, zahlt oft ein Mehrfaches des Spreads, der um 11 Uhr gegolten hätte.
Zweitens Nachrichtenlage. Direkt um Quartalszahlen, Zinsentscheidungen oder Konjunkturdaten weitet sich der Spread, weil niemand weiß, wo der nächste Kurs liegt. Genau dann handeln viele, weil Bewegung erwartet wird.
Drittens dünne Instrumente. Bei kleinen Nebenwerten und exotischen Währungspaaren ist die Lücke strukturell größer und bleibt es auch.
Warum variable Angaben Vorsicht verdienen
Anbieter nennen fast immer einen Wert ab, etwa ab 0,8 Pip. Dieser Wert gilt für das liquideste Instrument in der ruhigsten Handelszeit. Er ist nicht falsch, aber er ist der Bestfall und nicht der Durchschnitt.
Aussagekräftiger wäre ein typischer Spread über den Tag, den kaum ein Anbieter veröffentlicht. Wer vergleichen will, kann stattdessen zu einer normalen Handelszeit den aktuellen Kauf- und Verkaufskurs desselben Instruments bei zwei Anbietern nebeneinander ansehen. Diese Momentaufnahme sagt mehr als jede ab-Angabe.
Spread, Kommission und Slippage auseinanderhalten
Drei Begriffe werden häufig vermischt, obwohl sie verschiedene Dinge beschreiben, und die Unterscheidung entscheidet, wo man beim Vergleich hinsehen muss.
Der Spread ist die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs und liegt fest, sobald die Order ausgeführt wird. Er ist bekannt, bevor man handelt, und damit planbar.
Die Kommission ist eine separat berechnete Gebühr pro Order. Manche Anbieter kombinieren beides: enger Spread plus Kommission. Diese Modelle sind bei großen Volumina oft günstiger, weil ein prozentualer Aufschlag mit der Summe wächst, eine Pauschale nicht.
Slippage ist etwas anderes und wird gern mit dem Spread verwechselt. Sie bezeichnet die Abweichung zwischen dem erwarteten und dem tatsächlichen Ausführungskurs, die entsteht, wenn sich der Markt zwischen Auftragserteilung und Ausführung bewegt. Sie ist nicht Ertrag des Anbieters, sondern Folge der Marktbewegung, und sie trifft Marktorders in bewegten Phasen am stärksten.
Wer einen unerwartet schlechten Ausführungskurs sieht, sollte deshalb zuerst prüfen, ob eine Marktorder in einer volatilen Minute lief. Das ist Slippage und keine versteckte Gebühr.
Die praktische Folge
Für langfristige Käufe ist der Spread nachrangig: einmal gezahlt, über Jahre verteilt, fällt er kaum auf. Für alles, was häufig ein- und aussteigt, ist er der dominierende Kostenfaktor, und zwar unabhängig davon, ob die Ordergebühr null beträgt. Ein Anbieter mit null Provision und weitem Spread ist für häufigen Handel teurer als einer mit fünf Euro Ordergebühr und engem Spread.